Melli-Beese-Ring 1 ist unsere Adresse

Melli-Beese-Ring 1 ist unsere Adresse

19. Dezember 2025

Wir haben eine Adresse!

Der Rat der Stadt hat beschlossen, die Straße, an der unser Grundstück liegt, „Melli-Beese-Ring“ zu benennen.

Wer war Melli Beese? Und warum benennt man eine Straße auf dem Fliegerhorst nach dieser Frau?

Amelie Hedwig Beese (1886 – 1925) war 1911 die erste Frau, die in Deutschland die Prüfung zum Erwerb einer Privatpilotenlizenz ablegte.

Beese hatte mit großen Widerständen zu kämpfen, um in den wenigen Flugschulen überhaupt als Schülerin angenommen zu werden. Die Männer waren in dieser Zeit davon überzeugt, dass Frauen körperlich nicht dazu in der Lage seien, eine Flugmaschine zu führen. Dies ging so weit, dass ihre männlichen Mitschüler sogar Teile an ihrem Übungsflugzeug lösten, um sie zum Absturz zu bringen!

 

Unter ihrem Rufnamen Melli wurde sie rasch zu einer Berühmtheit, weil sie nach erfolgreich abgelegter Prüfung – ebenfalls als einzige Frau – an Flugwettbewerben teilnahm und dort aufsehenerregende Erfolge erzielte. Als sie bei den Johannisthaler Herbstflugwochen 1911 nach 4 Wertungstagen sogar die Führung übernahm, durfte sie am fünften nicht aufsteigen, weil das Fliegen bei schlechtem Wetter „einer Frau nicht mehr zuzumuten“ sei. Später gründete Beese mit zwei befreundeten Fliegern eine eigene Flugschule, um auch Frauen die Gelegenheit zu Flugstunden zu geben. 1913 heiratete sie Jean Charles Boutard, einen der beiden Kompagnons, nahm seinen Namen und die französische Staatsbürgerschaft an – eine verhängnisvolle Entscheidung, denn mit Ausbruch des Krieges wurde das Ehepaar Boutard als „feindliche Ausländer“ verhaftet, das Fliegen untersagt, und das von Melli Beese-Boutard konstruierte Wasserflugzeug, eine spektakuläre technische Leistung, auf polizeiliche Anordnung zerstört. Beide erkrankten im Arrest an Tuberkulose, Melli nahm zunehmend Morphium gegen Schmerzen, die sie seit einer frühen Bruchlandung plagten. Das traurige Ende einer großartigen, selbstbewussten Frau kam 1925: Ihr Mann war nach Frankreich gebracht worden und musste sich dort wiederum für seinen Verbleib in Deutschland während des Krieges verantworten. Melli hatte sich finanziell übernommen und durfte auch nach dem Krieg nicht mehr fliegen, was zu schweren Depressionen führte. Sie erschoss sich neben einer Notiz mit den Worten: „Fliegen ist notwendig, Leben nicht.“

Übrigens haben die ModellFlieger damit die gleiche Adresse wie der BER in Berlin – wollen wir hoffen, dass die Bauzeit nicht auch genauso überzogen wird…